Flughäfen sind keine Jobmotoren

Flughäfen und regionale Entwicklung

 

F. Thießen 11. 9. 2010 Rüsselsheim

 

 

1. Kein Einfluss von Flughäfen auf Arbeitsmarkt der Region

Gutachten W3, RWI, Essen, 1999:

(ausgewählte internationale Zentren)

 

 

2. Kein Einfluss von Flughäfen auf wirtschaftliche Entwicklung von Regionen

(alle Regionen Deutschlands)

Studie RMI, Darmstadt, 2008

 

 

 

Hintergrund der Feststellungen:

 

Das RWI sollte die Bedeutung der Flughäfen für die Arbeitsplätze einer Region empirisch für die Vergangenheit aufzeigen, Vermutlich hatten die Auftraggeber (Flughafen-Lobby) wirklich geglaubt, dass Flughäfen die Jobmotoren der jeweiligen Region seien, da z. B. in Paris, London und anderen Regionen jeweils der größte Flughafen mit der größten Stadt übereinstimmt. Da dachte man, die Entwicklung des Arbeitsmarktes einer Stadt müsse positiv mit derjenigen der Flughäfen korreliert sein. Vielleicht hat man auch gedacht, die Stadt des größten Flughafens eines Landes müsse auch zur bedeutendsten Stadt des Landes werden. Dies wäre für Frankfurt eine schöne Vision gewesen, die sicherlich das Lärmleid Hunderttausender von Bewohnern des Rhein-Main-Gebietes rechtfertigt hätte.

 

All diese Überlegungen waren aber falsch. Die Statistiken des Essener Institutes zeigten aus Sicht des Flughafens ein niederschmetterndes Ergebnis: Flughäfen haben keinen Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Sie sind nicht die Jobmotoren der Regionen. Andere Regionen ohne Flughäfen entwickeln sich teils besser, teils schlechter, im Durchschnitt genau gleich gut.

 

Diese verblüffende Erkenntnis konnte das RWI auch gut anhand seiner Zahlen erklären und begründen: Wenn ein Flughafen besonders schnell wächst, kommt es in der Region nur zu einer Verlagerung der Arbeitsplätze vorwiegend vom produzierenden Gewerbe zum Dienstleistungsgewerbe. Die Flughäfen schaffen netto keine neuen Arbeitsplätze. Sie verdrängen andere. Wenn also ein Flughafen in einer Region wächst, mehr Leute einstellt, wenn dann das unmittelbare Umfeld wächst, sich Firmen ansiedeln und ein deutlich erkennbarer aktiver Bereich in einer Region entsteht, dann ist das nicht das Zentrum einer von dort ausgehenden positiven wirtschaftlichen Entwicklung, die irgendwann einmal das gesamte Gebiet umfasst und es nach oben zieht. Es ist vielmehr nur einer von vielen Sektoren, die sich aufgrund ihrer spezifischen Branchenkonjunktur mal positiv und mal negativ entwickeln und im Durchschnitt der Jahre keine erkennbaren Effekte auf den Arbeitsmarkt auslösen. Netto, das zeigte das RWI-Gutachten, entstehen in den Regionen keine zusätzlichen Arbeitsplätze durch die Flughäfen.

 

Wie ist man im Mediationsverfahren mit den Ergebnissen umgegangen? Hier nun stößt man auf eine der großen Manipulationen, die vorgenommen wurden. Im Endbericht der Mediatoren wird das Ergebnis überhaupt nicht erwähnt. Und später im eigentlichen Genehmigungsverfahren für den Ausbau wurde das Essener Institut von der Fraport erst gar nicht mehr um ein neues Gutachten gebeten. Der Flughafen reichte nur zwei Wirtschaftsgutachten ein, nicht mehr drei. So hart ist es, wenn man sich traut, Fakten auf den Tisch zu legen.