Schlusswort bei der 1. Internat. Flughafen-Anwohner-Konferenz

Das Schlusswort von Hartmut Binner auf der ersten internationalen Flughafen-Anwohner-Konferenz vom 22.06.2013. (es gilt das gesprochene Wort)

 

 

 

Sehr geehrte Referenten unserer Veranstaltung,

 

Sehr geehrte Gäste aus Belgien, England, Frankreich, Österreich, aus der Schweiz und aus Deutschland,

 

Sehr geehrte, liebe aufgeMUCkte Startbahngegner,

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

 

 

es ist für mich als einem der Sprecher unseres großen Aktionsbündnisses eine große Ehre, bei dieser 1. Internationalen Flughafen-Anwohner-Konferenz das letzte Wort haben zu dürfen. Ihnen allen ein herzliches „Grüß Gott"! Als Erstes danke ich aus vollem Herzen allen unseren Referenten für ihre hervorragenden Vorträge und bitte hier um einen Sonderapplaus!

 

Sie haben uns wieder einmal glaubwürdig dargelegt, wie stark wir Bürger, wir Menschen in dieser noch immer wunderschönen und lebenswerten Welt wegen der Machtgier menschenverachtender Politiker tatsächlich gesundheitlich bedroht sind. Wir von einer 3. Startbahn betroffenen Anwohner kämpfen nun schon seit über sieben Jahren unermüdlich gegen den völlig unnötigen, Menschen und Natur verachtenden Ausbau unseres Flughafens, mit dem wir eigentlich (ohne 3. Startbahn) in Frieden leben wollen.

 

Wir erleben es ständig, dass vor allem unsere guten Argumente und vorgelegten Gutachten wegen der gesundheitlichen Betroffenheiten von den Ausbaubefürwortern einfach missachtet werden. Denn betroffene Menschen zählen nicht in dieser wirtschaftsorientierten Welt.

 

Also müssen wir uns auf unsere Weise und vielfältig zur Wehr setzen, wenn wir nicht untergehen wollen! Daher will ich versuchen, Ihnen allen hier in der Halle zum Abschluss der Konferenz etwas Mut Machendes mit auf den Weg zu geben.

 

Ich denke hier vor allem an mein Vorbild, den großen Franzosen, Résistancekämpfer, Diplomaten und Vertreter Frankreichs bei den Vereinten Nationen, Stéphane Hessel. Er hat sich ein Leben lang für Freiheit, Gerechtigkeit und die Würde des Menschen eingesetzt. Noch im 93. Lebensjahr schrieb er vor drei Jahren den kleinen, nur 23 Seiten langen aufwühlenden Aufruf an die Menschheit „Empört Euch", der ein Weltbestseller wurde und geradezu einen Sturm auslöste. Einen Folgeband gibt es auch. Er hat zum Beispiel alle unterdrückten und nicht beachteten Menschen dieser Welt darauf hingewiesen, dass es sich sehr wohl lohnt, „sich einzumischen und zu empören, um unsere Gesellschaft so zu bewahren, dass wir (und unsere Kinder) stolz auf sie sein können".

 

Er sagte auch: „Das Gemeinwohl sollte über dem Interesse des Einzelnen stehen, die gerechte Verteilung des in der Arbeitswelt geschaffenen Wohlstandes über der Macht des Geldes"! Auch in seinem Folgewerk fordert er: „Mischt Euch ein, empört Euch! Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von Euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wird man aktiv, stark und engagiert".

 

Letzteres habe ich persönlich mit vielen Mitstreitern aus reinem Selbsterhaltungstrieb gegen eine 3. Startbahn schon einige Jahre vor dem Erscheinen dieser Schrift in die Tat umgesetzt. Ich kann das jedem anderen Aktivisten nur wärmstens empfehlen. Vorausgesetzt, es geht um die gute Sache, wie die Bewahrung unserer Heimat und der gesamten Schöpfung für unsere Nachkommen.

 

Allerdings betont Stéphane Hessel auch: „Empörung erhält ihren Wert (erst) durch die anschließende Tat" (wie z. B. Teilnahme an Demos u.ä.). Auch unsere heutige Veranstaltung ist so eine Tat, mit der wir weitere Menschen zum Widerstand ermutigen und die politischen Entscheidungsträger zur Umkehr bewegen wollen. Für uns Startbahngegner mit einem für uns positiven Münchner Bürgerentscheid im Rücken prophezeite er sogar zeitlos: „Doch die Bedrohung ist nicht vollständig gebannt und unser Zorn über die Ungerechtigkeit ist nicht gewichen. Nein, die Bedrohung ist nicht gebannt!" Er will uns damit auffordern, dass wir Aktivisten auch nach Erfolgen stets hellwach bleiben, unseren Erfolg verteidigen und unsere Gegner ständig beobachten müssen.

 

Wir sind auf der Hut!! Bezüglich unserer Hoffnungen und unseren Ängsten vor großen Aufgaben bestärkt er uns mit: „Nicht hinnehmen, was unannehmbar ist und das Unwahrscheinliche zu denken wagen"! Das haben wir Startbahngegner mit unserem ausdauernden Einsatz vor dem Münchner Bürgerentscheid bereits jahrelang bewiesen.

 

Und wir werden weiter daran arbeiten. Auch unsere Freunde aus London haben sich an diesen Grundsatz mit Erfolg gehalten. Mir wurde von verschiedenen kompetenten Beobachtern bestätigt, dass wir Startbahngegner damit deutschlandweit den von Flughäfen betroffenen Menschen und anderen Aktivisten Mut für den eigenen Widerstand machen. Die heutige Veranstaltung will dasselbe bezwecken. Auch vertritt Stéphane Hessel die absolute Hoffnung auf Gewaltlosigkeit bei all unserem Widerstand.

 

Auch wenn z. B. bei uns einmal mit staatlicher Gewalt die Bagger anrollen sollten (was ich selbst nicht mehr glaube), gilt das. Er schreibt: „Das beste Mittel gegen Gewalt ist Gewaltlosigkeit!" (Beispiel: Leipziger Nicolaikirche) Von Sartre übernahm er den Grundsatz, der auch für uns gelten sollte: „Wir alle sind selbst (jeder für sich), allein und absolut, für diese Welt verantwortlich! Also gilt Engagement allein aus der Verantwortung des Einzelnen!" Wenn dann, - heute wie ehedem - eine aktive Minderheit sich erhebt, wird der Sauerteig seine Wirkung tun". Mit diesen Zitaten eines großen Aktivisten möchte ich Sie alle dazu ermutigen, in Ihrem Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt nicht zu ermüden.

 

Das gilt auch für unsere Referenten, deren Menschen und Natur beachtenden Gutachten von den Mächtigen im Lande oft ignoriert oder fadenscheinig widerlegt werden. Das erfahre ich ständig so bei unserer eigenen Arbeit (BayVGH vorgestern). Ihre hervorragenden, aber auch besorgniserregenden Ausführungen, sehr geehrter Herr Professor Dr. Greiser und sehr geehrter Herr Professor Dr. Rottmann bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm und Abgasen ermutigen mich wieder einmal zu folgender Aussage: Da meine eigene Wut und Empörung auch nach sieben Jahren Widerstand nicht im geringsten nachgelassen haben, wiederhole ich als ehemaliger Polizeibeamter mit Gesetzeskenntnis auch vor diesem großen Personenkreis und der Öffentlichkeit meine Beschuldigung:

 

Ich beschuldige die FMG-Anteilseigner, den Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland, der „bedingt vorsätzlichen, gefährlichen Körperverletzung nach dem Strafgesetzbuch, weil sie es billigend in Kauf nehmen, dass mit dem Bau einer dritten Startbahn viele Tausend Menschen durch Abgase vergiftet und durch Fluglärm krank werden und daher früher sterben müssen"!

 

Denn dies ist auch auf die meisten anderen Flughafen-Großprojekte übertragbar. Daher unsere Maxime: „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!" Abschließend möchte ich noch einmal Stéphane Hessel zitieren: „Um wahrzunehmen, dass es in dieser Welt auch unerträglich zugeht, muss man genau hinsehen, muss man suchen. Ich sage (heute) den Jungen: Wenn ihr sucht, werdet ihr finden. Der Ausspruch „Ohne mich" ist das Schlimmste, was man sich und der Welt antun kann.

 

Letzteres kann man ja wohl niemandem in dieser Halle vorwerfen, denn sonst wären wir nicht hier. Gerade wir empören uns zu Recht und wollen diese heute noch so schöne Welt (unsere gute Mutter Erde) mit eigenem Engagement für uns, unsere Kinder und Kindeskinder auch weiterhin lebenswert bewahren.

 

Aber vielleicht konnten Sie einiges aus den Zitaten heraushören, das sie später beim Werben um neue Mitstreiter verwenden können. Wir alle hier im Saal wollen, dem Rat Stéphane Hessel folgend, der Sauerteig für unser Umfeld und unsere Nachkommen sein. Ich danke noch einmal allen unseren Referenten für Ihren Einsatz. Ich danke allen Zuhörern für ihre Anreise und zahlreiche Teilnahme. Ich danke allen Helfern für das Zustandekommen dieser Veranstaltung.

 

Ihnen allen wünsche ich von Herzen eine gute Heimreise, gute Gesundheit und viel Schaffenskraft bei Ihren Aktivitäten, einen langen Atem und dann auch den verdienten Erfolg. Ich danke fürs Zuhören. Auf Wiedersehen!

 

Hartmut Binner, im Namen der Veranstalter